02.04.2025
Friedhöfe – Orte der Trauer oder vernachlässigte öffentliche Räume?
Meinung
Seit 2015 arbeite ich in der Bestattungsbranche, seit September 2023 als selbstständiger Bestatter in Eschweiler. In dieser Zeit habe ich viele Gespräche geführt und immer wieder dieselbe Aussage gehört: Bestattungen seien unnötig teuer und Bestatter würden leicht Geld verdienen.
Natürlich gibt es – wie in jeder Branche – schwarze Schafe. Mir persönlich ist jedoch wichtig, transparent zu beraten und nachvollziehbare Kosten aufzuzeigen.
Ein aktueller Beitrag im WDR über die Sanierung der Trauerhalle auf dem Waldfriedhof Röhndorf in Bad Honnef hat mich erneut zum Nachdenken gebracht. Dort wurden historische, teilweise wertvolle Stühle entsorgt, weil deren Bedeutung offenbar nicht bekannt war. Für mich wirft dieser Fall eine grundsätzliche Frage auf: Welchen Stellenwert haben Friedhöfe und ihre Gebäude heute noch?
Trauerhallen verdienen mehr Aufmerksamkeit
Während meiner beruflichen Laufbahn habe ich zahlreiche Friedhöfe in ganz Deutschland kennengelernt. Dabei ist mir immer wieder ein ähnliches Bild begegnet.
Viele Trauerhallen sind mehrere Jahrzehnte alt und wurden über lange Zeit kaum modernisiert. Kalte Räume, veraltete Ausstattung, schlechte Beleuchtung oder sichtbare Gebrauchsspuren sind leider keine Seltenheit – insbesondere auf kommunalen Friedhöfen.
Dabei verbringen Angehörige genau dort einen der emotionalsten Momente ihres Lebens. Eine gepflegte, helle und würdevolle Umgebung kann in dieser Situation einen wichtigen Beitrag leisten.
Ein Beispiel aus der Region
Ein Beispiel ist die Trauerhalle auf dem Friedhof Lintert in Aachen. Architektonisch besitzt sie einen besonderen Charakter und bietet eigentlich beste Voraussetzungen für einen würdevollen Abschied.
Dennoch hinterlassen fehlende Modernisierungen, niedrige Temperaturen im Winter und eine teilweise veraltete Ausstattung einen ganz anderen Eindruck. Bereits vor vielen Jahren wurde öffentlich über den Zustand der Halle berichtet – bis heute hat sich jedoch nur wenig verändert.
Gebühren und Realität
Für die Nutzung einer Trauerhalle werden in nahezu allen Städten Gebühren erhoben. Je nach Kommune unterscheiden sich diese teilweise erheblich.
Beispiele aus der StädteRegion Aachen:
| Stadt | Trauerhallengebühr |
|---|---|
| Aachen | ab 90 € |
| Alsdorf | 270 € |
| Baesweiler | 60–200 € |
| Eschweiler | bis 352,30 € |
| Herzogenrath | 195 € |
| Monschau | bis 380 € |
| Roetgen | 105 € |
| Simmerath | 198 € |
| Stolberg | bis 350 € |
| Würselen | 125 € zzgl. Sargwagen |
Auch die Stadt Bad Honnef erhebt für die Nutzung ihrer Trauerhalle eine Gebühr von rund 300 Euro.
Je nach Anzahl der Trauerfeiern entstehen dadurch jedes Jahr erhebliche Einnahmen. Gleichzeitig stellt sich die berechtigte Frage, ob ausreichend in den Erhalt und die Modernisierung dieser wichtigen öffentlichen Einrichtungen investiert wird.
Friedhöfe sind mehr als nur Begräbnisstätten
Als Bestatter gestalte ich jede Trauerfeier so würdevoll wie möglich. Blumen, Dekoration und eine sorgfältige Vorbereitung tragen dazu bei, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
Dennoch stoßen diese Möglichkeiten an Grenzen, wenn Gebäude, Mobiliar oder Technik über Jahrzehnte kaum erneuert wurden.
Friedhöfe sind wichtige Orte des Erinnerns, der Trauer und des Abschieds. Sie verdienen die gleiche Wertschätzung wie andere öffentliche Einrichtungen.
Mein persönliches Fazit
Meiner Meinung nach sollten Friedhöfe nicht nur funktional verwaltet, sondern auch langfristig gepflegt und modernisiert werden. Angehörige verbringen dort einen der schwersten Momente ihres Lebens. Eine helle, saubere und gepflegte Trauerhalle kann zwar den Schmerz nicht nehmen – sie kann jedoch einen würdevollen Rahmen schaffen.
Wenn Friedhöfe auch künftig Orte der Erinnerung und Begegnung bleiben sollen, braucht es Investitionen in ihre Gebäude und ihre Ausstattung.
Quellen: Friedhofsgebührensatzungen der genannten Städte sowie eigene Aufnahmen und Erfahrungen.